LAOS

Monday, February 5, 2024

Bleistift als Hoffnungsträger: Ein Gemeinschaftsprojekt des Rotaract Club Graz und NK SEEDS zur Bildungsunterstützung in Laos

Als wir in Luang Prabang, Laos landeten, schlug uns sofort die laotische Hitze der Trockenzeit entgegen. 33 °C, die Rucksäcke und Koffer eingeklemmt zwischen unseren Beinen, nahmen wir das erstbeste Tuktuk, um in die Stadt zu gelangen. Am Straßenrand spielte sich das Leben ab: Verkaufsläden wechselten sich mit einfachen Behausungen ab, eine Frau mittleren Alters trocknete Reispflanzen der zurückliegenden Ernte am staubigen Boden und Kinder in Anime T-Shirts liefen durch die Gassen. Generell konnte man erstaunlich viele Kinder und ältere Leute sehen, später sollte sich noch herausstellen, warum das so ist. Wenige Tage später trafen wir Melissa Lansmant. Seit 5 Jahren lebt sie nun schon in Laos und ist Gründerin der Non-Profit-Organisation NK (Nong Khiaw, nordlaotische Stadt) SEEDS. Auf der offiziellen Website der Organisation liest man bezüglich den Zielen und der eigens eröffneten Sprachschule: “…help them [children] develop their English abilities for greater job prospects to keep up with the growing tourism industry Southeast Asia is experiencing. […] Since 2022, NK SEEDS has been focusing on vital environmental issues and challenges by initiating plastic and paper recycling projects, water irrigation in remote villages, toilet building, school renovations, school supplies, clothing, food and basic needs donations to more than 1000 students and families.“ (NK SEEDS, 2024)

Die Vorhaben sind vielfältig, erfordern Durchhaltevermögen und sind insbesondere auf Unterstützung von außen angewiesen. Hier kreuzen sich auch die Wege des Rotaract Club Graz und NK SEEDS. Durch einen Auslandsaufenthalt in Frankreich vor einigen Jahren, lernte unsere derzeitige Präsidentin den Rotary Club Chamonix-Mont-Blanc-Megève (D1780) kennen, dem Club, dem auch Melissa angehört und der bis heute einer der Hauptunterstützer der laotischen Organisation ist. Der Kontakt über die Ländergrenzen hinaus blieb bestehen und die Früchte dieser Beziehung waren schließlich das internationale Projekt, dass wir mit dankender (finanzieller) Unterstützung durch unseren rotarischen Partnerclub RC Graz-Süd durchführen durften. Der Plan sah vor, dass wir NK SEEDS sowohl in der Sprachschule in Nong Khiaw, als auch auf „supply-trips“ in den umliegenden Dörfern der Stadt unterstützten. Zusätzlich haben wir schon im Vorhinein eine clubinterne Finanzierung auf die Beine gestellt, mit der Hygieneund Schulartikel in Laos besorgt werden konnten.

Gemeinsam mit Melissa saßen wir in der „family bakery“, einem kleinen Café in einer der unzähligen Seitengassen Luang Prabangs. Neben uns flitzten Kinder auf Motorrollern vorbei, teilweise erhaschte man einen Blick auf das ein oder andere Kleintier als Zusatzgepäck und auf der Veranda neben uns hatte sich eine feine Staubschicht vom aufgewirbelten Schmutz der Straße gebildet. Die Gewinne des Cafés fließen direkt zu NK SEEDS und ermöglichen der Organisation damit ein weiteres Finanzierungsstandbein. Nachdem sie uns über die Mission und die Arbeit als Volunteer in der Sprachschule informiert hat, machten wir uns auf den Weg in eine endlos wirkende Markthalle, um dort die Artikel für die Dörfer zu besorgen. Die Verkäuferin, zu der uns Melissa zielstrebig hinführte, wirkte im Vergleich zu den übrigen Bewohner*innen Luang Prabangs anders: Sie trug Kostüm, hatte eine feine Schicht Schminke aufgetragen und war sehr professionell in ihrem Auftreten. Wir besorgten Zahnbürsten, Zahnpasta, Bleistifte, Kugelschreiber und Radiergummis bei ihr, Hefte konnten wir erst später in Nong Khiaw kaufen, da der Transport mit diesen zu umständlich gewesen wäre. Abschließend bedankte sie sich mit einer kurzen Verbeugung und verschwand wieder hinter dem Tresen.

Am darauffolgenden Tag führte uns die Reise weiter in den Norden Laos. In Nong Khiaw sollten wir den Direktor der Sprachschule Zatee (kurz: Tee), der gleichzeitig Leiter der Missionen in die Dörfer ist, treffen. Tee ist um die Dreißig, seine Locken fallen ihm bis zu den Schultern und er besitzt das für Laoten typische breite Lachen, welches ansteckend wirkt. Er wohnt in einem geräumigen Haus, das auch Platz für Volunteers (freiwillige Helfer*innen) bietet, die sich nach Anfrage bei der Organisation wochenweise einquartieren können. Sie helfen im Gegenzug bei der Vorbereitung und dem Unterricht in der Sprachschule mit. In den folgenden Tagen halfen wir in der Plastikproduktion, zerkleinerten, schredderten und schmolzen Flaschendeckel, sodass am Ende neue Haarkämme oder verschiedenste Schlüsselanhänger gegossen werden konnten. Diese werden wiederum in den Partner-Cafés von NK SEEDS zum Verkauf angeboten um Geld für die Organisation zu generieren. Nachmittags ging es für uns in die Sprachschule. In drei Klassen mit unterschiedlichem Englisch-Niveau versuchten wir den Kindern spielerisch neue Vokabeln und Grammatikformen beizubringen, um sie Schritt für Schritt an die Sprache heranzuführen und ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Die Kinder wirkten dabei engagiert, waren aufmerksam und machten alle Übungen mit. Mancherorts in Österreich würde man sich das genauso wünschen.

Am Wochenende startete schließlich die erste Mission. Auf einer zweitägigen Reise gen Norden per Boot, Traktor und zu Fuß führte uns unser Weg zu fünf kleinen Dörfern in der Nähe Nong Khiaws. Im Gepäck befanden sich knapp 300 Einheiten der gekauften Schul- und Hygieneartikel, teils war der Weg steil und beschwerlich und die seit vergangener Woche noch gestiegenen Temperaturen trugen ebenfalls ihren Teil bei. Der Aufwand lohnte sich jedoch. In jedem Dorf erwartete uns der herzliche Empfang einer Schar Kinder, mit denen wir sprachlich zwar kaum kommunizieren konnten, Körpersprache und Gestik sich jedoch als vollkommen ausreichend herausstellten um die Freude (auch unsere!) greifbar zu machen. Teils gab es jedoch auch Kinder, für die die Begegnung mit Menschen aus dem Westen eine völlig neue Erfahrung war, weshalb sie auch mit Angst oder Schüchternheit reagierten, da sie noch nie zuvor Westler gesehen hatten. Dies verdeutlicht die kulturelle und soziale Distanz sowie die Isolation einiger Gemeinden. Für Kinder in Laos kann ein Bleistift oder ein Heft eine ungemein symbolträchtige Erfahrung sein: In einem Umfeld, das durch materielle Knappheit geprägt ist, sind solche Bildungsressourcen nicht selbstverständlich. Sie wecken Hoffnung und die Möglichkeit, durch Bildung ihre Lebensumstände zu verbessern und einen Weg aus der Armut zu finden. In den ländlichen Gebieten von Laos sind die Lebensbedingungen nämlich besonders hart, die Missstände in den besuchten Dörfern waren kaum zu übersehen: Müll türmte sich an den Ortsrändern, Menschen saßen im Freien an offenen Feuerstellen und wenn der Wind drehte, wehte uns der Geruch von Schweiß und ungewaschener Wäsche entgegen. Weiters ist die medizinische Versorgung unzureichend und viele Dörfer sind schwer zugänglich, wie wir selbst es auch erlebt haben. Besonders auffällig war der schlechte Zustand der Zähne bei Kindern, ein sichtbares Zeichen für die mangelnde Gesundheitsfürsorge. Die Bevölkerung lebt größtenteils von der Landwirtschaft, was eine direkte Abhängigkeit vom Land und dessen Fruchtbarkeit bedeutet.

Hier klärte uns Tee auch auf, dass viele Menschen zwischen 15 und 30 Jahren in größere Städte oder sogar ins Ausland ziehen, da sie sich dort bessere Zukunftsperspektiven erhoffen als in den Dörfern, die nur in Ausnahmefällen eine gesicherte Trinkwasser- oder Stromzufuhr besitzen. Trotz den Umständen begegneten uns die Menschen offen und freundlich, kochten unglaubliche Gerichte mit Reis, Flussgras und Kürbissen und zeigten uns, wie ein langsames und doch, so wirkt es zumindest auf uns, glückliches Leben funktionieren kann. Nach einer weiteren Woche in der Sprachschule und einer Wochenendmission, die uns dieses Mal flussabwärts geführt hat, war es an der Zeit Abschied zu nehmen. In der kurzen Zeit, in der wir als Rotaract Club die Organisation unterstützten, durften wir viele herzliche Menschen kennenlernen, die sich Tag für Tag darum bemühen, dass die Lebens- und Bildungsumstände in Laos in kleinen Schritten besser werden. Wir sind stolz darauf, ein Teil dieses Projekts gewesen zu sein und blicken voller Zuversicht auf den zukünftigen Werdegang von NK SEEDS.